Klimabezogene Chancen und Risiken

Die GKB unterscheidet zwei Hauptkategorien von Chancen (Produkte, Dienstleistungen und neue Märkte sowie Ressourceneffizienz bzw. Kosteneinsparungen) und zwei Hauptkategorien von klimabezogenen Finanzrisiken (physische Risiken und Transitionsrisiken). Für die Analyse der klimabezogenen Chancen und Risiken hat die GKB gemäss Empfehlung der TCFD drei Zeitrahmen definiert, welche die gewichtete durchschnittliche Lebensdauer des Geschäftsportfolios der GKB sowie die Zeithorizonte interner Prognosen und anderer Risikoberichte berücksichtigen:

Massgeblich für die klimabezogenen Chancen und Risiken eines Unternehmens sind das Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie: Die GKB erwirtschaftet den wesentlichsten Teil ihres Ertrags mit dem Hypothekargeschäft. Auch in der Bilanz sind Hypothekarforderungen die mit Abstand wichtigste Position (CHF 22.1 Mrd.). Auf der Aufwandseite ist der Personalaufwand (CHF 138.2 Mio.) die bedeutendste Position, die jedoch von Klimabelangen nicht wesentlich tangiert ist.

Im Rahmen ihrer Geschäftsstrategie legt die GKB den Schwerpunkt auf das Retailgeschäft sowie den Schweizer Markt, mit besonderem Fokus auf den Kanton Graubünden. Neben dem Hypothekargeschäft soll vor allem das Wertschriften- und Anlagegeschäft weiter gestärkt werden, um die Ertragskraft langfristig zu steigern. Die Bedeutung der oben genannten zentralen Ertrags- und Aufwandsquellen wird sich daher nur allmählich verändern. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Strategie ist die Förderung der Digitalisierung. Diese könnte dazu beitragen, die Klimaintensität des GKB Betriebs zu verringern, etwa durch eine Reduktion des Gebäudebetriebs oder durch weniger Mobilität dank vermehrter Homeoffice-Möglichkeiten. Gleichzeitig wird jedoch erwartet, dass die Digitalisierung, beispielsweise durch den Betrieb von Rechenzentren, den Energieverbrauch erhöhen könnte. Insgesamt sieht die GKB im Zusammenhang mit dem Klimawandel durch die Digitalisierung und neue Technologien weder bedeutende Risiken noch wesentliche Chancen.

Die GKB richtet ihren Fokus bei der Analyse von klimabezogenen Chancen und Risiken entsprechend ihrem Geschäftsmodell und ihrer Strategie vor allem auf das Hypothekargeschäft sowie das Wertschriften- und Anlagegeschäft. Andere Bereiche, wie beispielsweise ungedeckte Firmenkredite, Finanzanlagen oder der operative Betrieb, spielen eine eher untergeordnete Rolle.

Die GKB hat die klimabezogenen Chancen und Risiken bezüglich ihrer möglichen Auswirkungen auf die GKB eingeschätzt (Zusammenfassung siehe Abbildung unten). Die Einschätzungen beruhen auf einer qualitativen Analyse aus dem Jahr 2024. Bei einer Überprüfung im Jahr 2025 wurde kein Anpassungsbedarf festgestellt.

Zusammenfassung Beurteilung der Chancen und Risiken

Produkte, Dienstleistungen und neue Märkte als Geschäftschancen

Mit dem Klimawandel verbunden ist ein substanzieller Investitionsbedarf für die Finanzierung der Transition zu einer klimaverträglicheren Wirtschaft und Gesellschaft. Der jährliche Investitionsbedarf für die Schweiz in den Jahren 2020 bis 2050 beträgt gemäss einer Studie der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und der Boston Consulting Group (BCG) aus dem Jahr 2021 insgesamt CHF 12.9 Mrd. pro Jahr1 – grösstenteils für den leichten (CHF 5.7 Mrd.) und schweren Strassenverkehr (CHF 1.9 Mrd.), für Gebäude (CHF 2.1 Mrd.), Energie (CHF 1.2 Mrd.) und den internationalen Flugverkehr (CHF 1.0 Mrd.). Im Gebäudebereich muss in Gebäudehüllensanierung und Heizungsersatz investiert werden, wobei 67% der Massnahmen substitutiv sind. Insgesamt macht der jährliche Finanzierungsbedarf für die Steigerung der Klimaverträglichkeit des Schweizer Gebäudeparks rund 3% des in der SBVg- und BCG-Studie genannten jährlichen Schweizer Hypothekarkreditneugeschäfts von CHF 75 Milliarden aus. Gemäss SBVg und BCG können Banken diesen Finanzierungsbedarf zum allergrössten Teil abdecken.

Der oben erwähnte jährliche Finanzierungsbedarf für Investitionen in die Klimaverträglichkeit von Gebäuden von CHF 2.1 Mrd. für die gesamte Schweiz kann auch durch die GKB mitgetragen werden. Sie nimmt ungeachtet dessen Einfluss auf die Transition, indem sie ihre Kundinnen und Kunden nach Möglichkeit auf das Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz und der Klimaverträglichkeit von deren Häusern und Gebäuden hinweist und ihnen mit Rat zur Seite steht. Das Thema «effizienzsteigernde Sanierung» wird von der Bank systematisch in die Beratungen ihrer Kundschaft integriert. Ziel der GKB ist einerseits eine umsichtige und an die einzelnen Kundinnen und Kunden angepasste, bedürfnisorientierte Eigenheimfinanzierungslösung, die einer nachhaltigen Wertsicherung der bestehenden Immobilien dient. Dazu hat die Bank im Berichtsjahr ein neues Produkt zur energetischen Sanierung von bestehenden Gebäuden lanciert (siehe Kapitel «Nachhaltiges Kreditgeschäft»). Andererseits tragen die Sensibilisierungsmassnahmen dazu bei, das Ziel der Klimastrategie der GKB zu erreichen und die durch Hypotheken indirekt mitfinanzierten THG-Emissionen zu reduzieren.

Wie die Studie der SBVg und der BCG zeigt, hat auch die Industrie einen immensen Investitionsbedarf, um die Netto-Null-Ziele gemäss Pariser Klimaabkommen zu erreichen. Entsprechend nimmt die GKB im Firmenkundengeschäft ein zunehmendes Interesse an nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeiten wahr und begegnet diesem in der Beratung entsprechend. Aktuell prüft die GKB, ob neue Produkte und Servicedienstleistungen in diesem Zusammenhang sinnvoll wären.

Seit 2021 führt die GKB im Rahmen ihrer Kreditpolitik bei der Vergabe von Grosskunden- und Konsortialkrediten sowie bei der jährlichen Überprüfung soweit möglich eine Bewertung der Sozial- und Umweltrisiken durch. Für Kredite an Firmenkunden sieht die Kreditpolitik vor, dass in der Kreditprüfung und -überwachung neben ökonomischen Grundsätzen auch nachhaltigkeitsrelevante Aspekte in den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung (ESG-Kriterien) beachtet werden.

Im Anlage- und Vorsorgegeschäft sind Kundinnen und Kunden in der Schweiz vermehrt für den Klimawandel sensibilisiert und wollen ihr eigenes Anlage- und Vorsorgeverhalten aus Risikoüberlegungen oder aufgrund persönlicher Werte entsprechend ausrichten. Die GKB sieht dies als Chance und möchte diesem Bedürfnis gerecht werden. Sie arbeitet deshalb daran, die Produktpalette stetig weiterzuentwickeln.

Im Kapitalmarkt wächst der Anteil nachhaltiger Refinanzierungsinstrumente am gesamten Anleihenmarkt kontinuierlich. Dabei machen Green Bonds den grössten Anteil aus. Die GKB nutzt dieses Refinanzierungsinstrument bereits seit 2021. Mit der Emission von Green Bonds wird zum einem der Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen Rechnung getragen. Zum anderen wird transparenter, in welchen Bereichen und in welchem Umfang die GKB einschlägige Engagements entwickelt. Gleichzeitig trägt die Erweiterung der Investorenbasis zur Diversifikation der Refinanzierungsquellen der Bank bei. Die Anlegerinnen und Anleger erhalten die Möglichkeit, in nachhaltige Anleihen zu investieren. Insgesamt verfolgt die Bank mit der Emission von Green Bonds die Förderung des Ausbaus und der Modernisierung bestehender erneuerbarer Schweizer Stromproduktionsanlagen und leistet einen indirekten Beitrag zur Transformation hin zu grünen und energieeffizienten Gebäuden.

Quelle: Schweizerische Bankiervereinigung, Sustainable Finance, Investitions- und Finanzierungsbedarf für eine klimaneutrale Schweiz (2021)

Chancen zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der entsprechenden Kosten

Als Dienstleistungsunternehmen hat die GKB einen vergleichsweise tiefen direkten Ressourcenverbrauch und entsprechend geringe direkte THG-Emissionen. Trotzdem ist der effiziente Umgang mit Ressourcen – insbesondere mit Energie – eine finanzielle Chance und ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeits- und Klimastrategie der Bank.

Die Bank steigert ihre Energieeffizienz mit verschiedenen Massnahmen und nutzt erneuerbare Energiequellen, insbesondere in ihren betrieblich genutzten Gebäuden. Zudem reduziert sie den Verbrauch von Wasser und Papier. Die GKB orientiert sich bei Neubauten ihrer betrieblich genutzten Gebäude am Standard für nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) und weiteren relevanten Standards. Neubauten werden im Minergie-P-Standard erstellt. Sanierungen werden möglichst nahe an den Minergie-Standard herangeführt. Ökologische Verbesserungen werden konsequent durchgeführt, wenn die Amortisation der Investitionskosten durch Kosteneinsparungen in der Hälfte der technischen Lebensdauer erfolgen kann.

Auswirkungen der Klimarisiken auf das Kreditrisiko

Die Vergabe von Krediten, insbesondere für Wohn- und Gewerbeimmobilien, ist für die GKB von zentraler Bedeutung. In diesem Bereich können sich die Folgen des Klimawandels für die Bank am stärksten auswirken. Dabei wird zwischen Transitionsrisiken – beispielsweise höheren CO2-Abgaben – und physischen Risiken – wie Extremwetterereignissen – unterschieden.

Gebäudeschäden durch Naturereignisse wie Überschwemmungen sind im überwiegenden Teil der Schweiz durch die obligatorische Gebäudeversicherung weitgehend abgedeckt. Kurz- bis mittelfristig ist daher nicht mit einem signifikanten Anstieg der Kreditausfälle aufgrund physischer Klimarisiken zu rechnen. Die GKB ist in Graubünden mit Finanzierungen in Tälern grösserer Gebirge jedoch im Vergleich zu anderen Kantonalbanken stärkeren physischen Klimarisiken ausgesetzt. Im Unternehmenskreditgeschäft können akute Klimafolgen wie Überschwemmungen zwar Gebäude und Produktionsanlagen der Unternehmenskunden beschädigen und den Betrieb kurzfristig unterbrechen, doch solche Ereignisse sind in der Regel räumlich begrenzt. Daher wären nur kleinere Teile des Kreditportfolios betroffen. Hingegen kann die Klimaerwärmung langfristig einen negativen Einfluss auf den Tourismus haben, beispielsweise wegen steigender Schneefallgrenzen. Aufgrund des langsamen Effekts haben Unternehmen in vom Tourismus abhängigen Branchen nach Einschätzung der Bank noch Zeit, ihr Geschäftsmodell den sich verändernden Bedingungen anzupassen. Da sich physische Risiken eher langfristig materialisieren, schätzt die GKB die physischen Risiken kurz- und mittelfristig als gering und langfristig als mittelhoch ein.

Transitionsrisiken im Kreditgeschäft könnten sich negativ auf das Immobilienfinanzierungs- und das Unternehmenskreditgeschäft auswirken. Im Immobilienfinanzierungsgeschäft könnten steigende Kosten für THG-Emissionen oder strengere energetische Sanierungsvorschriften dazu führen, dass die Betriebskosten von Immobilien steigen oder zusätzliche Investitionen erforderlich werden. Dies könnte zu höheren Kreditausfallrisiken führen. Im Unternehmenskreditgeschäft ist das Engagement der GKB in emissionsintensiven Sektoren gering (siehe Tabelle im Abschnitt Finanzierung emissionsintensiver Branchen). Daher haben steigende CO₂-Abgaben nur begrenzte Auswirkungen auf das Kreditausfallrisiko ihrer Unternehmenskunden. Deshalb hat die GKB für die Transitionsrisiken bei Immobilienfinanzierungen und im Unternehmenskreditgeschäft die Auswirkungen auf verschiedene Kreditrisikokennzahlen mittels Szenarioanalysen quantifiziert. Die Analyse solcher Szenarien zeigt, dass die Auswirkungen für die GKB auch bei einem deutlichen Anstieg der CO₂-Preise tragbar bleiben würden. Die GKB schätzt jedoch die Relevanz von Transitionsrisiken für das Kreditgeschäft mittel- und langfristig als mittelhoch ein.

Auswirkungen von physischen und transitorischen Klimarisiken auf die Markt- und Liquiditätsrisiken

Physische und transitorische Klimarisiken können sich negativ auf Aktien-, Devisen- oder Rohstoffpreise auswirken und dadurch die Marktrisiken erhöhen. Die GKB führt jedoch kein wesentliches Handelsbuch, und ihr Finanzanlagenportfolio zur Liquiditätsbewirtschaftung konzentriert sich auf Schweizer Pfandbriefe und Obligationen des öffentlichen Sektors. Zudem werden klimabedingte Risiken durch die Diversifizierung der Finanzanlagen reduziert. Dadurch sind negative Auswirkungen auf das Marktrisiko kurz- und mittelfristig gering, die GKB schätzt jedoch die Transitionsrisiken langfristig als mittelhoch ein. Klimabedingte Einflüsse auf die Liquiditätsrisiken werden als gering erachtet, da die GKB eine breit diversifizierte Finanzierungsstruktur hat und am Geld- und Kapitalmarkt neben klassischen Refinanzierungsinstrumenten auch Green Bonds emittieren kann.

Auswirkungen von Klimarisiken auf operationelle Risiken

Die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Klimafragen und damit einhergehende neue gesetzliche und regulatorische Anforderungen stellen Herausforderungen etwa bei der Datenerhebung, Datenoffenlegung und Anpassung von Beratungsprozessen dar. Diese neuen Anforderungen könnten das operationelle Risiko der GKB (beispielsweise im Zusammenhang mit rechtlichen Risiken) geringfügig erhöhen. Die GKB schätzt dieses transitorische Risiko über alle Zeithorizonte als gering ein.

Extreme Wetterereignisse könnten Gebäude der Bank oder kritische Infrastrukturen wie IT-Systeme beeinträchtigen. Durch vom Kanton vorgenommene bauliche Vorkehrungen, etwa geeignete Lawinenschutznetze und -gitter, werden diese Risiken teilweise reduziert. Risiken, die nicht durch bauliche Massnahmen verhindert werden können, sind umfassend versichert. Zusätzlich stellt die Bank sicher, dass bei solchen Ereignissen der Betrieb schnell wieder aufgenommen werden kann. Zudem sind die Mitarbeitenden geografisch flexibel, was die physische Präsenz im Betrieb betrifft (Risikodiversifikation). Kurz- und mittelfristig schätzt die GKB die Auswirkungen als gering ein. Da physische Risiken langfristig steigen können, schätzt die GKB die physischen Klimarisiken für den Betrieb als mittelhoch ein.

Reputationsrisiken

Mit der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit bei den Stakeholdern steigt das Risiko, in der Öffentlichkeit in Kritik zu geraten. Die GKB misst Nachhaltigkeitsaspekten grosse Bedeutung zu und kommuniziert ihre Massnahmen offen und transparent. Daher wird das Reputationsrisiko insgesamt als moderat eingeschätzt.

Auswirkungen der klimarelevanten Chancen und RisikenKlimastrategie